Der Zehentstadel in Heroldingen - ein kleines Bauernmuseum

Zehentstadel Heroldingen

Der Zehentstadel in Heroldingen – ein kleines Bauernmuseum

Ziemlich in der Ortsmitte Heroldingens fällt der imposante Zehentstadel auf. Den guten bauliche Zustand, in dem wir ihn heute antreffen, verdankt er vor allem dem Verein Rieser Bauernmuseum, der ihn 1978 grundlegend renovierte. Der Zehntstadel war das erste erfolgreich abgeschlossene Projekt des fünf Jahre zuvor gegründeten Vereins mit Sitz in Maihingen, in dem es galt, ein historisch bedeutsames Baudenkmal an Ort und Stelle herzurichten, um es mit landwirtschaftlichen Arbeitsgeräten und Maschinen unserer Vorfahren zu bestücken. Derzeit handelt es sich bei der Scheune mit der Anschrift „Am Zehentstadel 1“ wohl um das bislang einzige Museum im Harburger Stadtgebiet, wenn man Privatmuseen, -sammlungen und die imposante Harburg mit ihrer reichhaltigen Ausstattung außer Acht lässt.

Zum Namen und der Geschichte des Zehentstadels in Kürze:

Schon in der Geschichte des Alten Testaments wird der Zehnte erwähnt. Der Patriarch Abraham ließ vor Jahrtausenden Gott diesen Teil seiner Erträge zukommen. Es heißt in 1.Mose 14,20 schlicht: „... gelobt sei Gott der Höchste, ... Und Abraham gab ihm den Zehnten von allem.“ Der Zehnt diente dem Unterhalt der Priester. Im Laufe der Zeit gingen die Zehnteinnahmen durch Tausch, Verpachtung oder Kauf auch an weltliche Herren über. Landesherrlichkeit und Kirchenpatronat lagen in unserer Gegend bekanntlich lange Zeit in der Hand der Fürsten von Oettingen-Oettingen bzw. Oettingen-Wallerstein. In deren „Finanzämtern“, den örtlichen Zehentstädeln, zogen sie den Groß- bzw. Getreidezehnt ein. Nur noch wenige ältere Bürger in Heroldingen wissen von Trennwänden, die die verschiedenen Getreidearten voneinander schieden.

Geschichtliche Eckdaten:

1688 und 1722: große Reparaturen am Vorgängerbau, der mindestens seit Beginn des 30-jährigen Kriegs existierte

Ende Mai 1739: Abriss des heruntergekommenen, wahrscheinlich 120 Jahre alten Gebäudes

31. August 1739: Wiederaufbau des noch heute bestehenden Zehentstadels

1848: Ablösung des Zehntwesens

23. April 1861: Verkauf durch Fürst Karl von Oettingen-Wallerstein an Christian Wilhelm (Wirt) und N. Mühleidner, danach weiter verkauft bzw. vererbt

7. Mai 1975: Verein Rieser Bauernmuseum Eigentümer des heruntergekommenen Stadels

31. Juli 1978: Abschluss der aufwändigen Restaurierungsarbeiten

24. September 1978: großes Einweihungsfest mit Staatsminister Anton Jaumann als Schirmherrn

1. Oktober 1989: Feier zum 250-jährigen Bestehen des Zehentstadels

14. September 2014: 275 Jahre Zehentstadel Heroldingen


Im Rahmen der 800-Jahr-Feier Heroldingens Ende Juni 1993 und bei einer historischen Dorfführung im Oktober 2011 war der Zehentstadel kurz ein Teil der Veranstaltungen.

Ein eigenständiger Museumsbesuch wurde durch verschiedene Umstände erst wieder am 1. Mai 2013 möglich. Innerhalb von drei Nachmittagsstunden überzeugten sich ca. 100 Besucher von der nach wie vor guten Bausubstanz und den vielen Ausstellungsgegenständen.

Besonders der jüngeren Generation war meist nicht bewusst, was sich innerhalb des zentral gelegenen Baudenkmals für „Schätze“ befinden.

Freilich, die älteren Einwohner hatten sich seinerzeit gewundert, wieso man das „alte Glump“ noch aufhob, das an ihre harte, beschwerliche Arbeit erinnerte. Doch das Prinzip, nach dem viele heutige landwirtschaftliche Maschinen betrieben werden, ist in vereinfachter Weise anhand einiger der schlichten Vorgängermodelle sehr gut nachzuvollziehen.

Von manchen Geräten ist die Herkunft noch bekannt. Ein Bindemäher aus dem Jahr 1937, eine kaum eingesetzte Holzegge und der Verbrennungsmotor der Stiftendreschmaschine sind Dauerleihgaben ehemaliger Heroldinger Bauern. Der Lanz-Bulldog aus dem Jahr 1921, den die ehemals selbstständige Gemeinde Heroldingen zum Steinbrechen in der nahen Kiesgrube verwendet hatte, dürfte die Hauptattraktion sein. Bei den genannten Festen setzte ihn ein nur ein Jahr jüngerer ehemaliger Heroldinger Landwirt unter großem Beifall in Betrieb. 

Der Rieser Bauernmuseums- und Mühlenverein e.V., wie der Verein Rieser Bauernmuseum nach dem Zusammenschluss mit dem Rieser Mühlenverein heißt, ist bemüht, das Gebäude unter teils hohem finanziellen Aufwand zu erhalten. Zumindest einmal jährlich sollen die Torflügel des Zehentstadels für Interessierte geöffnet werden. Doch auch außer der Reihe ist nach Absprache ein Blick ins Innere möglich.

Kontakt:

Rieser Bauernmuseums- und Mühlenverein e.V.

Werner Deixler, Vorstand

Am Feldtor 15

86720 Nördlingen-Schmähingen

Tel. 09081/87692

E-Mail: wdeixler@web.de

 

Karte

Adresse

Zehentstadel
Heroldingen
Am Zehentstadel 1
86655 Harburg
Tel.: 09080 96990

Ansprechpartner

Rieser Bauernmuseum- u. Mühlenverein e.V. Betreuung Zehentstadel
Ralf Hermann Melber
Heroldingen
Wörnitzstraße 23
86655 Harburg
Tel.: 09080 2792