Zu Anfang des 13. Jahrhunderts lebte im Kloster Kaisheim ein Bruder, der ein sehr heiliges Leben führte. Er hatte sich verpflichtet, nie mehr die Schwelle des Klosters zu überschreiten.
Zur selben Zeit trug sich zu, dass die Tochter des Herzogs von Kärnten vom Teufel besessen war. Die Mönche des Klosters Stams im Oberinntal in Tirol gaben sich alle Mühe, den Satan auszutreiben, aber umsonst. Der Teufel rief ihnen zu: „Kein Mensch bringt mich heraus, außer der Bruder von Kaisheim!“ Das war derselbe, der gelobt hatte, nie mehr in seinem Leben das Kloster zu verlassen. Der böse Geist wusste von dem Gelübde und wollte dem Mönch eine Falle stellen. Er hoffte, dass der fromme Mann seinem Abt den Gehorsam verweigern würde, wenn ihn dieser zur Teufelsbeschwörung nach Stams schicken wollte.
Der Herzog von Kärnten ließ wirklich den Abt von Kaisheim bitten, ihm den Mönch zu senden. Der Abt rief den Bruder zu sich und trug ihm die Angelegenheit vor. Der Mönch erzählte von seinem Gelübde. Das wollte er nicht brechen, aber auch dem Abt nicht den Gehorsam verweigern.
Der Abt fand einen Ausweg. Er entband den Bruder von seinem Gelöbnis und ermahnte ihn zum Gehorsam. Der Mönch entschied sich für den Gehorsam.
Mit dem Segen des Abtes zog er nach Stams. Der Teufel schrie vor Wut, als er den Mönch sah und machte ihm schwere Vorwürfe. Aber alles half nichts. Er musste die Tochter des Herzogs verlassen. Der fromme Bruder bannte ihn in eine eiserne Büchse, die er gut verschlossen nach Kaisheim brachte. Hier stellte er sie in ein Glas und hängte es unter dem Kirchengewölbe auf.
So wurde der Teufel durch das Anhören des Lobes Gottes täglich gequält. Er war über seine Gefangenschaft so erbost, dass er jede Gelegenheit benützte, die betenden Mönche zu necken und zu ärgern.
Einst waren 50 Mönche im Chor und sollten den fünften Psalmton singen; aber sie konnten nicht, weil der Teufel sie den Ton nicht treffen ließ. Schließlich fing der Satan voller Schadenfreude selber in diesem Ton zu singen an: „Sitzen da fünfzig Mönche im Chore und können den fünften Ton nicht finden.“
Um 1543 schlug der Blitz in den Kirchturm und zerstörte ihn. Das Glas unter dem Gewölbe zersprang, und der Teufel entwich aus seiner über zweihundertjährigen Gefangenschaft.
Der Volksmund erzählt, dass der Teufel nach seiner Befreiung nach Harburg eilte. Er soll sich am Hang des Schloßberges niedergelassen und diesem Stadtteil den Namen die „Höll“ eingebracht haben.
Quelle: Harburg - Ein Heimatbuch