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Station 2 – Von Müllern und Mühlen

Zur Zeit des späten Mittelalters gab es in Harburg noch keine Familiennamen. Der Name setzte sich zumeist aus dem Beruf bzw. Gewerbe des Bewohners und der Lage des Grundstücks zusammen. So war der Müller auf der Brücke einfach der „Bruckmüller“. Aus dem Hausnamen wurde später der Familienname. 1506 wird in einem Steuerbuch bereits ein Leonhard Bruckmüller als Eigentümer benannt. Die Mühle ist jedoch mit Sicherheit älter, als aus der ersten Urkunde hervorgeht. 

Die Witwe des ersten Besitzers erhielt 1527 von Graf Wolfgang zu Oettingen die Mühle zum Lehen. In der Folgezeit bis zum Dreißigjährigen Krieg wechselte durch Vererbung und Kauf öfter der Besitzer. Während des Krieges hatte die Eigentümerin Margarete Müllenmeier fürchterlich zu leiden. Soldaten besetzten immer wieder die Mühle, raubten das Mühlgut und nahmen alles Brauchbare mit. Nach Kriegsende konnte der Betrieb nicht mehr aufrechterhalten werden und das Gebäude verfiel zusehends. Der nächste Eigentümer baute die Mühle auf eigene Kosten wieder auf.

Die Bruckmühle war in der Vergangenheit immer wieder von schwerem Hochwasser betroffen. 1729 ertrank der Sohn des Müllers sowie ein Mahlknecht bei dem Versuch, eine Holzhütte vor dem Einsturz zu retten. Ihr Kahn kenterte, die jungen Männer wurden von den Fluten fortgerissen. 1784 zerstörte ein noch schlimmeres Hochwasser mit Eisstoß einen Teil der Bruckmühle.

Doch tragische Unfälle gab es nicht nur bei Hochwasser:

So im Februar 1777: ein vierzehnjähriger Junge, der von seinem Bauern zum Mahlen geschickt worden war, geriet zwischen zwei Kammräder und wurde getötet. Im August 1802 wollte ein Knecht zwei Pferde in die (Wörnitz)-Schwemme treiben, geriet dabei in der sonst seichten Wörnitz in eine Untiefe- einen sogenannten „Gumpen“ - und ertrank. Unter tragischen Umständen kam ein Mühlenbesitzer 1814 zu Tode. Von ihm heißt es, er wäre „dem Trunk ergeben gewesen und deshalb in großen finanziellen Schwierigkeiten“. Einem Bekannten gegenüber äußerte er im Rausch, dass „es kein Wunder wäre, wenn er sich ersäufte“. -- Ins Wasser ging er nicht, aber am nächsten Morgen erschoss er sich.

Nachdem insbesondere die Sägemühle immer wieder vom Hochwasser zerstört wurde, erfolgte der Bau eines neuen Sägebetriebes in einem Garten schräg gegenüber, dem Mühlgässchen. Der Sägebetrieb in der Bruckmühle wurde 1936 eingestellt, Getreide wurde noch bis 1964 gemahlen.

So mancher älterer Harburger entsinnt sich noch, wie Müller und Mahlknechte zentnerschwere Mehlsäcke auf den Schultern auf die Fuhrwerke schleppten. Die „Stangenreiter“, also Fuhrknechte. transportierten dann die bis zu 100 Zentnern schweren Gespanne zu den Höfen Harburgs und vor allem in die umliegenden Ortschaften, ins „Gäu“, wie man sagte. Und so manches Mal kam es auch vor, dass ein Weg akkurat an einem Wirtshaus vorbeiführte, wo man auf Grund der schweren Arbeit selbstverständlich Halt machen musste.

Auch nachdem Harburg an das öffentliche Stromnetz angeschlossen worden war, hatte die Bruckmühle noch eine eigene Stromversorgung. Die Wasserräder trieben einen Dynamo an, der den Strom für Landwirtschaft und Haus lieferte. Standen die Wasserräder still, z.B. bei Hochwasser, gab es keinen Strom für die wenigen Elektrogeräte. Gas- und Petroleumlampen ersetzten Glühbirnen. Als im Winter 1970 wieder einmal das Wasserrad längere Zeit total vereist war und stillstand, hatten die alten Bruckmüller, die noch bis 1979 Eigentümer der Mühle waren, endgültig genug: sie ließen sich an die Energieversorgung anschließen.

Das Mühlgebäude steht unter Denkmalschutz und bildet zusammen mit der Wörnitz, den Inseln, der Brücke und der majestätisch über allem wachenden Burg ein einzigartiges Panorama. 

 

 

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