Der Schmalkaldische
Krieg 1546/1547

Bericht
von Klaus Lembeck über einen Vortrag von Fritz Leimer (in voller Länge
in Harburger Heft 9)
Der Schmalkaldische Krieg
wurde 1546/ 1547 von Kaiser Karl V. gegen den Schmalkaldischen Bund,
ein nach der Stadt Schmalkalden benanntes Bündnis protestantischer
Landesfürsten, geführt.
Graf Karl Wolfgang zu
Oettingen war nach dem Bauernkrieg überzeugter Protestant, geblieben,
zögerte zunächst aber mit weiteren Reformen. Erst 1539 berief er alle
Karrer seines Herrschaftsgebietes nach Harburg, um mit ihnen über die
Einführung der evangelischen Lehre zu diskutieren und sein Bruder
Ludwig der XV. beriet sich mit seinen Priestern in Alerheim. Die
Mehrzahl der Pfarrer sprach sich für die Einführung der evangelischen
Lehre aus und bald hatten alle Geistlichen im Gebiet der beiden Grafen
die neue Lehre angenommen. Von den sechs Söhnen Ludwig des XV. war nur
sein ältester und Nachfolger Ludwig XVI. protestantisch geworden, die
anderen blieben katholisch und standen sich auch im Krieg feindlich
gegenüber.
In Harburg, Heroldingen und
Mauren bereitete die Einführung der Reformation keine Schwierigkeiten,
weil der Landesherr gleichzeitig Patronatsherr war. Anders in Ebermergen,
weil dort der Deutsche Orden das Patronatsrecht innehatte. Letztlich
wurde der Ort 1544 doch protestantisch. Graf Martin, Landesherr über
das wallersteinische Gebiet, und seine Untertanen blieben katholisch.
Katholisch blieben auch jene Orte, die Martin und Karl Wolfgang oder
Ludwig XV. je zur Hälfte besaßen. So blieben die Hoppinger katholisch
wie ihr Landesherr Graf Martin. Auf oettingisch-oettingischem Gebiet
waren bei Kriegsbeginn alle Pfarrstellen mit protestantischen
Geistlichen besetzt. Graf Karl Wolfgang hatte es für klüger gehalten,
neutral zu bleiben und war dem Schmalkaldischen Bund nicht beigetreten.
Im Oktober 1546 erreichte die
seit Landshut mit Italienischen Truppen vereinigte Armee Kaiser Karls -
und damit auch der Krieg - das Ries. Sie lagerten bei Fessenheim,
Deiningen und Alerheim, auf dem Wennenberg und dann bei Appetshofen. Die
Schmalkaldener besetzten den Stoffels- und Galgenberg bei Nördlingen,
um den Zusammenschluss der Kaiserlichen mit den Niederländern zu
verhindern. In einem Scharmützel wurde der evangelische Herzog Albrecht
von Braunschweig so schwer verwundet, dass er am 20. Oktober 1546 in
Nördlingen verstarb. Nur dessen übermannshoher Epitaph in der St.
Georgskirche in Nördlingen erinnert heute noch an den Schmalkaldischen
Krieg.
Die Schmalkaldener hatten im
September 1546 die Harburg gegen den Willen Graf Karl Wolfgangs besetzt.
Er hatte sich vorher, weil er neutral bleiben wollte, mit seiner Familie
nach Lauingen abgesetzt. Den Berichten seines Sekretärs Wilhelm Borsch,
der heimlich in die Burg zurückgekehrt war, kann man das weitere
Geschehen entnehmen. So schreibt er: „So haben die Kaiserlichen
gestern den Protestierenden Ort wird die leut und Flecken
geplündert. Enking, Appetshofen und wie man sagt mehr flecken
angezündt..., unschuldiger armer leut erstochen, dergleichen... Mauren,
Sorheim, Pühel oder Ostheim und Heroltingen auch verprennt." Nach
der Kapitulation der Schmalkaldischen besetzten die Kaiserlichen die
Burg und plünderten auch den Markt Harburg. Gutes berichtete der
gräfliche Sekretär von keiner Seite und fasste zusammen: „Was die
feind nit erreichen, nehmen die freundt." Die
Dörfer im Ries hatten während des ganzen Krieges unter den Streifzügen
der Kaiserlichen zu leiden. Besonders brutal und unmenschlich waren die
spanischen Truppen. Kaum waren sie gekommen, gingen mehrere Dörfer,
evangelische wie katholische, in Flammen auf. Fritz Leimer
zitierte hier aus der Reformationsgeschichte von Maier: „Beim Abzug
der Spanier waren eine Menge von Kranken zurückgelassen worden. Sie
verfielen der Rache der Bauersleute und wurden meist durch die Weiber
erwürgt. Das verlassene Lager bot einen schrecklichen Anblick. Da die
Kirchhöfe von Pfäfflingen bis Lierheim nicht mehr ausreichten, warf
man zuletzt die Leichen in die Eger, die voller toter Krieger und Rosse
lag“.
Von den Dörfern in der Nachbarschaft Harburgs
hatte es Ebermergen am schlimmsten getroffen und auch Mauren wurde übel
mitgespielt. Im Vergleich zu den enormen Schadensverzeichnissen der
Nachbarorte erscheint die Harburger Bilanz geradezu harmlos: Abgesehen
von den Plünderungen bei der Besetzung des Marktes beliefen sich die
Kosten, die für Verpflegung und Futter für die Pferde während des
ganzen Krieges angefallen waren auf etwa 2500 bis 3000 Gulden. Ende
November 1546 waren das Ries und die angrenzenden Gebiete fest in Kaiser
Karls V. Hand.
Nach der Entscheidungsschlacht bei Mühlberg (an der Elbe), war das
Schmalkaldische Bündnis zerschlagen, der Krieg war zu Ende. Die
protestantischen Regenten wurden entmachtet und durch katholische
ersetzt. Graf Karl Wolfgang war bereits im Dezember 1546 abgesetzt
worden, obwohl er sich immer neutral verhalten hatte. Sein Bruder Ludwig
XV. und dessen Sohn Ludwig XVI., die aktiv am Krieg gegen den Kaiser
teilgenommen hatten, wurden mit der Reichsacht belegt und verbannt. Der
katholische Graf Friedrich von Oettingen erhielt die Herrschaft über
die gesamte Grafschaft Oettingen übertragen. Graf Karl Wolfgang
verstarb 1549 auf der Harburg. Weil er keine leiblichen Erben hatte,
wurden 1550 seinen Brüdern, den katholischen Grafen Wolfgang und dessen
drei jüngsten Brüdern sein gesamtes Erbe übertragen. Die beiden
verbannten oettingischen Grafen konnten erst nach dem Augsburger
Religionsfrieden 1555 (Wessen das Land, dessen die Religion) zurückkehren.
Ludwig der XV. konnte sein Reformationswerk fortsetzen. Zu seinem ursprünglichen
Landesteil war inzwischen auch das Gebiet seines verstorbenen Bruders
Karl Wolfgang hinzugekommen und in den Jahren 1555 bis 1557 wurden all
die Orte im Ries wieder evangelisch, die schon vor dem Schmalkaldischen
Krieg evangelisch waren und heute noch sind. Mit Quirinus Kleesattel
erhielt Harburg 1555 wieder einen evangelischen Pfarrer.

Augsburger Religionsfrieden
Die beiden verbannten
oettingischen Grafen konnten erst nach dem Augsburger Religionsfrieden
1555 (Wessen das Land, dessen die Religion) zurückkehren. Ludwig der
XV. konnte sein Reformationswerk fortsetzen. Zu seinem ursprünglichen
Landesteil war inzwischen auch das Gebiet seines verstorbenen Bruders
Karl Wolfgang hinzugekommen und in den Jahren 1555 bis 1557 wurden all
die Orte im Ries wieder evangelisch, die schon vor dem Schmalkaldischen
Krieg evangelisch waren und heute noch sind. Mit Quirinus Kleesattel
erhielt Harburg 1555 wieder einen evangelischen Pfarrer.
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