Die Harburger Richtstätten

Harburg war bis 1848
Gerichtsort. Die Gerichtsherren waren die Grafen und Fürsten von
Oettingen-Oettingen und ab 1731 die Grafen und Fürsten von
Oettingen-Wallerstein. Sie hatten das Recht, auf ihrem Herrschaftsgebiet die
niedere und die hohe Gerichtsbarkeit (Blutgerichtsbarkeit) auszuüben. Für die
Vollstreckung der Todesstrafe gab es zwei Hinrichtungsplätze: die Richtstatt,
auch Rabenstein genannt, für die Hinrichtung mit dem Schwert und das
Hochgericht, den Galgen, für die Hinrichtung mit dem Strang. Dieser Galgen
befand sich schon immer links der Straße nach Nördlingen am Fuße des
Hühnerberges,
während die Richtstatt zuerst am Ortsrand außerhalb des Tiefen Tores an der
Straße nach Nördlingen lag (etwa unmittelbar nach der Kurve beim heutigen
Café Schönblick). 1785 wurde sie dann zum Hochgericht am Galgenberg verlegt,
Etwa sechzig Todesurteile
wurden zwischen dem Ende des Dreißigjährigen Krieges und dem Jahr 1809, dem
Jahr der letzten Hinrichtung in Harburg, hier vollstreckt.
Nach dem Übergang der
hohen Gerichtsbarkeit an den Bayrischen Staat zu Beginn des 19. Jahrhunderts
gab es für die Richtstätten keine Verwendung mehr. 1814 wurden beide abgebrochen.
Nur noch der Flurname
„Galgenberg“ erinnerte bis vor kurzem an diesen schaurigen Ort. Nur
„Eingeweihte“ wussten, dass sich in der „Insel“ aus Schlehensträuchern,
anderem Buschwerk und Unkraut ein kleiner Mauerrest der Richtstätten befand.
Aus der Harburger
Volksschule kam dann die Anregung, die Überreste freizulegen und zu sichern.
Bei einer Ortsbesichtigung durch Bürgermeister Wolfgang Kilian, Fritz Leimer, Fritz Mayer und Klaus Lembeck entschloss man sich, das
Buschwerk möglichst
schonend für das Restmauerwerk ohne Maschineneinsatz zu entfernen. Fritz
Leimer und besonders Harburgs Naturwacht-Beauftragter Karl Stadelmann mit
weiteren
fleißigen Helfern nahmen sich dieser Aufgabe an. Der städtische Bauhof
errichtete dann den Bretterzaun. Künftig werden Hinweistafeln mit Erläuterungen
am Radweg zwischen Harburg und Hoppingen auf den geschichtsträchtigen Ort
hinweisen.
(Text: Leimer, Lembeck)
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Mehr zur letzten
Hinrichtung in Harburg (R. Hofmann)
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Marktplatzbrunnen:
Letzte Hinrichtung 1809
Hochgericht am Fuße des Hühnerberg
1. Richtstatt: Unmittelbar nach der
Kurve
Die
Überreste der
2. Richtstätte
Bericht von der letzten Hinrichtung (R. Hofmann) |